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Referenzen

Rollenverarbeitung optimieren: Restmaterial durch größere Rollenkerne und automatisierte Spleißvorgänge reduzieren

Große Rolle aus weißer technischer Folie auf erweitertem Metallkern an Umwickelstation mit Führungsrollen, Sensorik und Spleißmodul.

Bei der Verarbeitung von Folien, Papier, Vliesen und anderen bahnförmigen Materialien muss der Materialfluss häufig ohne Anlagenstopp aufrechterhalten werden. Der Rollenwechsel erfolgt deshalb als fliegender Wechsel: Die laufende Bahn wird mit dem Anfang einer neuen Rolle verbunden, während die Anlage weiterproduziert.

Kritisch sind die letzten Meter der ablaufenden Rolle. Mit sinkendem Wickelradius steigt ihre Drehzahl stark an. Gleichzeitig müssen das Rollenende erkannt, die neue Rolle synchronisiert und der Spleiß innerhalb eines engen Zeitfensters ausgeführt werden. Um Bahnabrisse oder fehlerhafte Verbindungen zu vermeiden, wird der Wechsel in der Praxis oft mit einer Sicherheitsreserve ausgelöst. Das verbleibende Material auf dem Kern wird nicht mehr genutzt.

Eine vorgeschaltete Umwickeleinrichtung kann diesen Zielkonflikt entschärfen. Das Material wird von einem Standardkern auf einen deutlich größeren Rollenkern umgespult. Dabei lassen sich eine maschinenlesbare Markierung und eine materialabhängige Spleißvorbereitung an einer definierten Position zum späteren Rollenende einbringen. Der größere Kern reduziert die maximale Enddrehzahl, während die Markierung einen reproduzierbaren Auslösezeitpunkt ermöglicht. So kann die technisch erforderliche Restlänge erheblich sinken.

Das Lösungsprinzip in kompakter Form

Beim Umwickeln auf einen vergrößerten Rollenkern endet der Abwickelprozess bei einem größeren Radius. Bei gleicher Bahngeschwindigkeit muss sich die nahezu leere Rolle dadurch langsamer drehen. Das erweitert das kontrollierbare Zeitfenster für Detektion, Synchronisierung und Spleißauslösung.

Die Markierung dient dabei ausschließlich als eindeutig detektierbares Positionssignal. Die Spleißerleichterung ist dagegen ein funktional vorbereiteter Bahnabschnitt, der den kontrollierten Übergang, die Trennung oder die Übergabe unterstützt. Welche Ausführung geeignet ist, hängt vom Material, vom Spleißverfahren und vom Aufbau der Anlage ab.

Das Konzept ist vor allem dann interessant, wenn hohe Enddrehzahlen, schwankende Bahnspannung oder ungenaue Restmengenerkennung dazu führen, dass regelmäßig nutzbares Material auf dem Kern verbleibt. Seine Eignung muss jedoch anhand von Rollengeometrie, Materialverhalten, Maschinendynamik, Bauraum und Automatisierung geprüft werden.

Warum kleine Rollenkerne den fliegenden Rollenwechsel erschweren

Zwischen Bahngeschwindigkeit (v), Wickelradius (r) und Winkelgeschwindigkeit (ω) gilt näherungsweise:

ω = vr

Die Drehzahl (n) lässt sich daraus bestimmen:

n = v2πr · 60

Je kleiner der verbleibende Wickelradius wird, desto höher ist bei konstanter Bahngeschwindigkeit die erforderliche Drehzahl. Die höchste Drehzahl tritt unmittelbar vor dem vollständigen Abwickeln auf – genau in der Phase, in der der fliegende Rollenwechsel vorbereitet und ausgelöst werden muss.

Hohe Enddrehzahlen verstärken die Auswirkungen von Unwucht, Rundlaufabweichungen und Schwingungen. Gleichzeitig verändern sich die Bedingungen für die Bahnzugregelung schnell. Bei empfindlichen Folien, dehnbaren Vliesen oder hohen Bahngeschwindigkeiten können daraus Falten, Bahnversatz, Dehnung oder Bahnabriss entstehen.

Die geringere Enddrehzahl eines größeren Kerns darf allerdings nicht mit einer pauschalen Entlastung aller mechanischen Komponenten gleichgesetzt werden. Das erforderliche Beschleunigungs- und Bremsmoment hängt auch von der Rollenmasse, der Kernmasse und dem Massenträgheitsmoment ab. Für die Berechnung von Enddrehzahl, Trägheitsmoment und Bahnzug sind deshalb Winkelgeschwindigkeit, Trägheitsmoment, Bremsmoment, Bahnzug und der jeweilige Betriebszustand getrennt zu betrachten.

Rechenbeispiel: Wie stark sinkt die Enddrehzahl?

Ein vereinfachtes Beispiel verdeutlicht die Größenordnung. Die folgenden Werte sind Berechnungsannahmen und keine allgemeingültigen Auslegungsdaten:

Die Bahngeschwindigkeit beträgt 300 Meter pro Minute beziehungsweise 5 Meter pro Sekunde. Der bisherige Standardkern besitzt einen Durchmesser von 76 Millimetern und damit einen Radius von 38 Millimetern. Der vergrößerte Kern hat einen Durchmesser von 300 Millimetern beziehungsweise einen Radius von 150 Millimetern.

Für den Standardkern ergibt sich unmittelbar am Rollenende:

n = 5(2π · 0,038) · 60 ≈ 1.256 min-1

Für den vergrößerten Kern beträgt die theoretische Enddrehzahl:

n = 5(2π · 0,15) · 60 ≈ 318 min-1

Unter diesen Annahmen sinkt die Enddrehzahl auf etwa ein Viertel. Das schafft günstigere Voraussetzungen für die Markierungserkennung und den zeitgenauen Spleiß. Ob sich zugleich Antriebs- oder Bremsmomente reduzieren, muss separat berechnet werden. Ein größerer und gegebenenfalls schwererer Kern kann das Trägheitsmoment erhöhen, während sich die Masse des aufgewickelten Materials bei gleichem Außendurchmesser verringert.

Größerer Kern, kürzere Lauflänge oder größerer Außendurchmesser

Der größere Kern verändert nicht nur die Drehzahl, sondern auch die Rollengeometrie. Die näherungsweise aufwickelbare Materiallänge (L) ergibt sich bei konstanter Materialdicke (t) aus:

L ≈ π (R2 – r2)t

Dabei steht (R) für den Außenradius und (r) für den Kernradius. Kompressibilität, Lufteinschlüsse und Wickelverdichtung bleiben in dieser vereinfachten Betrachtung unberücksichtigt.

Wird das Rechenbeispiel um einen Außenradius von 500 Millimetern und eine Materialdicke von 0,1 Millimetern ergänzt, nimmt die Rolle auf dem 76-Millimeter-Kern theoretisch etwa 7.808 Meter Material auf. Auf dem 300-Millimeter-Kern sind es bei gleichem Außendurchmesser etwa 7.147 Meter. Die mögliche Lauflänge sinkt damit rechnerisch um rund 8,5 Prozent.

Soll die ursprüngliche Materiallänge erhalten bleiben, müsste der Außenradius im Beispiel auf etwa 521 Millimeter steigen. Der Rollendurchmesser würde sich damit von 1.000 auf ungefähr 1.041 Millimeter erhöhen. Diese Differenz kann Anpassungen an Rollenaufnahme, Schutzumhausung, Hebezeug, Materialhandling und Anlagenlayout erforderlich machen.

Eine Umwickellösung ist daher immer als Bilanz aus reduzierter Enddrehzahl, verfügbarer Lauflänge, zulässigem Außendurchmesser und zusätzlichem Handlingaufwand zu bewerten.

Was eine Spleißerleichterung technisch leistet

Die Spleißerleichterung ist eine gezielt vorbereitete funktionale Zone in der Bahn. Ihre Aufgabe besteht darin, den späteren Übergang am Rollenende reproduzierbarer zu machen. Je nach Anlagenprinzip kann sie beispielsweise eine definierte Trennstelle, einen vorbereiteten Klebebereich, eine Ablösehilfe, eine verstärkte Übergangszone oder ein anderes materialverträgliches Funktionselement umfassen.

Sie ist von der Markierung klar abzugrenzen. Die Markierung liefert der Sensorik ein Positionssignal. Sie sagt der Steuerung, wann sich das vorbereitete Rollenende nähert. Die Spleißerleichterung wirkt dagegen mechanisch oder verbindungstechnisch im eigentlichen Übergabe- und Trennprozess.

Ihre Ausführung richtet sich unter anderem nach Oberflächenenergie, Materialdicke, Temperaturbeständigkeit, Dehnverhalten, Bahnzug und der Frage, ob der Spleiß im nachgelagerten Prozess toleriert oder später ausgeschleust werden muss. Eine Klebelösung, die bei Papier zuverlässig funktioniert, kann bei beschichteten Folien, porösen Vliesen oder sensiblen Funktionsschichten ungeeignet sein.

Auch die Position muss eindeutig festgelegt werden. Beim Umwickeln ist zu berücksichtigen, welche Materialseite außen liegen muss und in welcher Richtung die Bahn später verarbeitet wird. Falls die Materialorientierung erhalten bleiben muss, kann ein zweistufiger Umwickelprozess erforderlich sein.

So läuft der automatisierte Rollenwechsel ab

Die Prozesskette beginnt in der Umwickeleinrichtung. Das Material wird mit definiertem Wickelzug, kontrollierter Kantenlage und reproduzierbarer Wickelhärte auf den vergrößerten Kern übertragen. In einem festgelegten Abstand zum späteren Rollenende werden Markierung und Spleißerleichterung eingebracht.

Während der Produktion erfasst ein geeigneter Sensor die Markierung auf der ablaufenden Rolle. Die Steuerung kennt den Abstand zwischen Markierung, vorbereitetem Funktionsabschnitt und Spleißposition. Aus Bahngeschwindigkeit, Signalverarbeitung, Aktorreaktionszeit und mechanischer Laufzeit berechnet sie den Auslösezeitpunkt.

Anschließend wird die neue Rolle entsprechend dem jeweiligen Anlagenkonzept auf Bahngeschwindigkeit gebracht oder für den Kontakt vorbereitet. Bahnzug und Geschwindigkeit müssen so abgestimmt sein, dass beim Übergang kein unzulässiger Zugstoß entsteht. Die Spleißeinheit stellt die Verbindung her; danach wird die Altbahn getrennt oder kontrolliert übergeben.

Der erfolgreiche Spleiß sollte durch geeignete Signale überwacht werden. Wird die Markierung nicht erkannt, liegt die Bahngeschwindigkeit außerhalb des freigegebenen Bereichs oder fehlt eine Spleißbestätigung, benötigt die Anlage eine definierte Fehlerreaktion. Je nach Risikobewertung kann dies ein zweites Erkennungsfenster, ein kontrollierter Geschwindigkeitsabbau oder ein geordneter Stopp sein.

Welche Zielgrößen bei der Auslegung entscheidend sind

Ein größerer Kern allein löst die Aufgabe nicht. Für die technische Bewertung müssen messbare Zielgrößen festgelegt werden. Dazu gehören insbesondere die maximal zulässige Enddrehzahl, das verfügbare Beschleunigungs- und Bremsmoment, die erlaubte Bahnzugabweichung und die maximal tolerierbare Schwingungs- oder Unwuchtanregung.

Für die Automatisierung sind die Detektionsgenauigkeit der Markierung, die Wiederholgenauigkeit der Sensorik, die gesamte Reaktionszeit der Signalkette und die Schwankung der Bahngeschwindigkeit relevant. Aus diesen Größen ergibt sich, wie groß der Abstand zwischen Markierung und Spleißposition sein muss.

Ebenso wichtig sind eine definierte maximale Restlänge und eine zulässige Spleißfehlerrate. Als Restmaterial sollte dabei nicht pauschal jedes Material auf dem Kern bewertet werden. Unvermeidbar bleiben können eine konstruktiv notwendige Kernanbindung, ein vorbereiteter Klebe- oder Trennabschnitt, der Spleiß selbst sowie eine technisch begründete Sicherheitsreserve.

„Nahezu vollständige Eliminierung“ bedeutet deshalb nicht zwingend null Meter Restmaterial. Gemeint ist die Reduzierung auf die kleinste reproduzierbar erforderliche Restlänge. Diese Zielgröße muss für den konkreten Prozess definiert und über mehrere Rollenwechsel statistisch überprüft werden.

Wann das Konzept geeignet ist – und wann nicht

Die Umwicklung auf einen größeren Kern ist besonders geeignet, wenn regelmäßig hohe Restmengen anfallen, die Enddrehzahl den Spleißprozess begrenzt und eine eindeutige Endmarkierung bislang fehlt. Weitere günstige Voraussetzungen sind ausreichend Bauraum, beherrschbares Materialverhalten beim Umwickeln und zugängliche Schnittstellen zu Sensorik, Steuerung und Antriebstechnik.

Grenzen bestehen, wenn der maximal zulässige Außendurchmesser keine geringere Lauflänge erlaubt, das Material durch einen zusätzlichen Wickelvorgang beschädigt wird oder seine Orientierung nicht ohne weitere Umwicklung erhalten bleibt. Auch sehr empfindliche Beschichtungen, stark kompressible Materialien und enge Toleranzen bei Wickelhärte oder Bahnspannung können den Aufwand erhöhen.

Bei Bestandsanlagen kann die Nachrüstung daran scheitern, dass Rollenaufnahme, Schutzkonzept, Antrieb oder Steuerung nicht angepasst werden können. In diesen Fällen sind alternative Ansätze zu prüfen, beispielsweise eine verbesserte Restdurchmessererfassung, eine andere Sensorposition oder ein modifiziertes Spleißverfahren.

Wirtschaftliche Bedeutung für Betreiber und Maschinenbauer

Nicht nutzbare Restmengen verursachen Material-, Entsorgungs- und Handlingkosten. Hinzu kommen mögliche Stillstände, Ausschuss und Qualitätsverluste bei fehlgeschlagenen Spleißvorgängen. Dem stehen Investitionskosten, zusätzlicher Flächenbedarf sowie Energie- und Betriebsaufwand der Umwickeleinrichtung gegenüber.

Eine nachvollziehbare Wirtschaftlichkeitsrechnung beginnt mit der durchschnittlichen Restlänge je Rolle vor und nach der Optimierung. Die Differenz wird mit der Zahl der Rollenwechsel pro Jahr und dem Materialwert pro Meter multipliziert. Ergänzend sind vermiedener Ausschuss, reduzierte Stillstandszeiten und geringere Entsorgungskosten zu berücksichtigen.

Davon abzuziehen sind die laufenden Kosten des Umwickelns sowie mögliche Nachteile durch reduzierte Lauflänge oder zusätzlichen Logistikaufwand. Die Amortisationszeit ergibt sich anschließend aus dem Investitionsaufwand im Verhältnis zum erwarteten jährlichen Nettonutzen. Ohne reale Prozessdaten sollten keine pauschalen Einsparungsquoten angesetzt werden.

Für Unternehmen ist deshalb zunächst eine strukturierte Datenerhebung sinnvoll: Bahngeschwindigkeit, Kern- und Außendurchmesser, Materialdicke, Restmenge pro Rolle, Rollenwechsel pro Jahr, Spleißfehlerrate, Stillstandsdauer und Materialwert bilden die Grundlage für eine technische und wirtschaftliche Entscheidung.

Wie Codronic Rollenprozesse technisch optimiert

Die Optimierung eines fliegenden Rollenwechsels verbindet Maschinenbau, Mechatronik, Sensorik, Antriebstechnik und Automatisierung. Codronic kann bestehende Anlagen und Prozessdaten aufnehmen, die Enddrehzahl und Maschinendynamik berechnen, Bahnzug und Rollengeometrie bewerten sowie geeignete Varianten für eine Umwickeleinrichtung entwickeln.

Zur technischen Ausarbeitung gehören je nach Aufgabenstellung die konstruktive und mechatronische Auslegung von Rollenprozessen, die Prüfung von Rollenaufnahme und Bauraum, die Auswahl eines geeigneten Detektionsprinzips sowie die Auslegung der Steuerungs- und Antriebsschnittstellen. Ebenso lässt sich untersuchen, welche Spleißvorbereitung zum Material und zum vorhandenen Rollenwechsler passt und welche Fehlerreaktionen erforderlich sind.

Ziel ist ein reproduzierbarer Prozess, bei dem die reduzierte Enddrehzahl, die vorbereitete Rollenendzone und die automatisierte Auslösung zusammenwirken. Die verbleibende Restlänge wird dabei nicht pauschal versprochen, sondern anhand der technischen Randbedingungen festgelegt und im Prozess verifiziert.

Unternehmen, die ihre Materialrestbestände und Spleißprozesse bewerten möchten, können mit Codronic individuelle Sondermaschinenlösungen für die Rollenverarbeitung entwickeln und eine konkrete Erstbewertung für Ihren Rollenwechsel durchführen. Ausgangspunkt sind Materialtyp, Bahngeschwindigkeit, Kern- und Außendurchmesser, heutige Restmenge sowie das bestehende Spleißverfahren. Daraus lässt sich ableiten, ob ein vergrößerter Rollenkern technisch sinnvoll ist und welche konstruktiven und steuerungstechnischen Anpassungen dafür erforderlich sind.

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